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Das osmanische Gesundheitswesen in den Berichten der venezianischen Konsulatsärzte (15.-18. Jahrhundert)

(Bearbeiterin: Dr. Sabine Herrmann)

Im Zuge einer verstärkten Auseinandersetzung mit islamischer Geschichte, Kultur und Sprache begaben sich im 15. und 16. Jahrhundert auch venezianische Ärzte nach Ägypten und in den Orient. Im Gegensatz zu Pilgern waren deren Reiseberichte jedoch nicht durch
einen ausgeprägten Schematismus geformt, der sich zumeist auf die Beschreibung heiliger Stätten beschränkte, sondern die Autoren zeichneten sich durch ein ausgeprägtes ethnographisches Gespür, eine gute Beobachtungsgabe und ein mannigfaltiges Interesse außerhalb der Medizin aus. Während sich diese Ärzte anfangs vor allem auf die Erschließung und Kommentierung arabischer medizinischer Texte als Quellen für verbesserte lateinische Übersetzungen konzentriert hatten, entwickelte sich im Lauf des 16. Jahrhunderts eine Vorliebe für die Beschreibung landestypischer Krankheiten sowie für die pharmazeutisch-botanische und zoologische Feldforschung. Auch wenn die galenische Autorität im Westen letztendlich unangetastet bleiben sollte, gelangten auf diese Weise diverse therapeutische Ansätze nach Europa. Ärzte wie Andrea Alpago oder Prospero Alpino können daher als wichtige Kulturvermittler und Akteure in kulturellen Transferprozessen betrachtet werden, die zudem das Interesse für semitische Sprachen, orientalische Antiquitäten und arabische Folklore weckten, weshalb ihre Werke bis ins 19. Jahrhundert, dem Zeitalter des Orientalismus, geschätzt wurden und als wichtige Referenzwerke dienen sollten. Gesammelt und erstmals untersucht werden in diesem Habilitationsprojekt gedruckte Werke, Chroniken und Traktate, die über die Tätigkeit der bekanntesten venezianischen Konsulatsärzte vom 15. bis zum 18. Jahrhundert Auskunft geben können. Die historische Darstellung fokussiert dabei auf eine kulturanthropologische Perspektive, bei der die Wechselwirkung der christlich bzw. osmanisch geprägten Kulturen im Vordergrund steht. Diese Fallstudie soll damit nicht nur einen Beitrag zur Kulturgeschichte Venedigs, sondern auch zu den interkulturellen Verflechtungen im Mediterraneum und deren Bedeutung für die Wissensgeschichte Europas leisten.

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