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Sozialgeschichte der Pflege

Die Geschichte der Pflege als Handlungsfeld und die Geschichte des Pflegepersonals und seiner Institutionen findet bisher noch vergleichsweise wenig Beachtung. Aus diesem Grund erforscht das IGM die Geschichte der Pflege. Zurzeit gibt es folgende Forschungsprojekte:


Postdoc, Bearbeiter: Christoph Schwamm
Männer als Pflegekräfte in Deutschland ca. 1880–2010
In Krankenpflege, der Fachzeitschrift des Deutschen Berufsverbandes für Krankenpflege, erschienen bereits 1985 zwei Beiträge, die auch repräsentativ für die gegenwärtige Deutung von pflegenden Männern sind. Eine Autorin kritisierte unter Bezugnahme auf die Überrepräsentation von Männern in Schlüsselpositionen, „in welch kurzer Zeit einer der wenigen qualifizierten Frauenberufe zum ‚typischen Männer-beruf‘ avanciert“ sei. In einer Replik wurde entgegnet, Männer hätten schon immer gepflegt, seien bislang lediglich marginalisiert worden und hätten nun alles Recht auf beruflichen Erfolg.
Das vorliegende Forschungsprojekt soll die Akteursgruppe Männer in der Pflege  geschichtswissenschaftlich untersuchen, um Deutungen wie den oben geschilderten historische Tiefenschärfe zu verleihen. Dazu wird nach der Interaktion von geschlechtsbezogenen Machtdynamiken mit solchen der sozialen Herkunft gefragt. Hierzu wird es zunächst notwendig sein, die Anzahl der männlichen Pfleger zu ermitteln, sowohl absolut als auch relativ zu den Krankenschwestern. Weiter soll analysiert werden, an welchen Orten sie eingesetzt waren und welche Tätigkeiten sie dort ausübten. In einem späteren Schritt soll untersucht werden, wie die Pfleger im Alltag mit den anderen relevanten Akteursgruppen – Krankenschwestern, Patienten und Ärzten – interagierten.
Als Quellen dienen die Mitgliederzeitschriften der großen Gewerkschaftsgruppierungen, zeitgenössische Monographien und Presseartikel sowie offizielle Statistiken. Für die alltagshistorische Untersuchung sind verschiedene Ego-Dokumente und die Befragung von Zeitzeugen vorgesehen.


Dr. Kristina Matron
Offene Altenhilfe in Frankfurt am Main 1945-1982/83
Im Rahmen der Studie werden sowohl die Veränderungen in der Struktur pflegerischer Angebote als auch hauswirtschaftliche, kulturelle, sportliche, freizeitorientierte und gesellschaftspolitische Angebote untersucht. Berücksichtigt werden die planerische Ebene, die politischen Diskurse und die konkrete Umsetzung auf kommunaler Ebene. Im Einzelnen werden die Bereiche ambulante Pflege, Altenwohnen, Mahlzeitendienste, kulturelle Angebote, Erholungsaufenthalte, Altentagesstätten und Tagespflege im Zentrum stehen.

Dr. phil. Nina Grabe
Dissertationsprojekt: Die stationäre Versorgung alter Menschen in der deutschen Nachkriegszeit (1945-1975) im Raum Hannover / südliches Niedersachsen
Das Dissertationsprojekt beinhaltet die Situation der stationären Altenpflege, d. h. der pflegerischen, medizinischen und sozialen Versorgung alter Menschen im südlichen Niedersachsen in der Zeit von 1945 bis ca. 1975. Anhand unterschiedlicher Quellen werden sowohl das Milieu der Einrichtungen als auch der Heimalltag sowie die Arbeitsbedingungen der, überwiegend konfessionellen, Pflegekräfte untersucht. Berücksichtigung findet dabei auch die Professionalisierung der Altenpflege.
Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen. Die Ergebnisse sind in der Beiheft-Reihe von Medizin, Gesellschaft und Geschichte erschienen.

Kontakt

Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung
Dr. Sylvelyn Hähner-Rombach
Straußweg 17
D-70184 Stuttgart
Tel.: 0711 / 46 08 41 69
Fax: 0711 / 46 08 41 81